Corona – plötzlich war alles anders

Die momentane Situation rund um das neuartige Corona Virus, auch Covid-19 genannt, ist natürlich für uns alle eine große Herausforderung. Ich gehöre auch zu denen, die ihren Job verloren haben und in eine ungewisse Zukunft schauen. Als Kosmetikerin gehöre ich zu den zahlreichen Jobs, die momentan nicht ausgeübt werden dürfen. Die Ansteckungsgefahr bei der Arbeit am Kunden ist viel zu hoch, Eigenschutz nicht gegeben. Für uns Menschen ist es eine ungewohnte und neue Situation.

Zur Hochrisikogruppe zählen Personen ab 65 Jahren, und besonders diese mit einschlägigen Vorerkrankungen wie Lungenkrankheiten oder Herzprobleme. Alle anderen haben aber die vielleicht viel wichtigere Aufgabe, nämlich auf diese Risikogruppen besonders Acht zu geben, in der Not Hilfe und Unterstützung anzubieten. Ich schicke den Menschen, die es jetzt am meisten brauchen, viel Kraft und Energie um bald wieder gesund zu sein.

Die emotionale Sicht

Aber mal ganz ehrlich: musste nicht einmal was kommen, um uns Menschen zu stoppen, uns unsere Grenzen bewusst zu machen, die Erde vor der weiteren Verseuchung zu bewahren? Wir wählen hier bewusst harte und direkte Worte, schreiben unsere Gedanken nieder, lassen euch an unseren Diskussionen teilhaben.

Ich hoffe das versteht keiner falsch, ich wünsche natürlich jeden, dass er oder sie gesund bleibt und wir mit einem „blauen Auge“ in der weltweiten Coronakrise davonkommen. Ich hoffe und wünsche mir aber auch, dass wir alle daraus lernen, unsere Lehren ziehen – privat, beruflich, gesellschaftlich.

Die positive Kehrseite zeigt uns schon nach wenigen Tagen und Wochen, was eigentlich hinblicklich Klimawandel getan werden müsste. Unsere Mobilität, Lebensweise, Art zu reisen, Wertschätzung gegenüber Berufen, Produkten und der eigenen Gesundheit muss völlig neu überdacht werden. Zwischen all den Horrormeldungen in den Medien, die auch uns etwas besorgt machen, mischen sich dann aber auch Meldungen wie diese:

 

Die guten Nachrichten

Im Hafen von Triest schwimmen Delfine bis zum Steg, große Kreuzfahrtschiffe dürfen dort keine mehr fahren. Die Tierwelt vergrößert ihren Lebensraum. Tiere in Zoos haben weniger Stress durch Besucher. Vögel können ungestört auf Futtersuche gehen.

In den größten Städten der Welt weicht der Smok dem blauen Himmel, selbst Satellitenaufnahmen zeigen, dass die Luftqualität und Verschmutzung in kurzer Zeit besser wurde. Solche Meldungen bringen uns zum Lächeln und lassen uns den Grund dafür kurzzeitig vergessen.

Sinkender und teilweise ganz ausfallender Flugverkehr trägt ebenso dazu bei, dass die Erde mal durchschnauffen kann.

Ebenso wird der Müllberg massiv kleiner, da unser Konsumverhalten durch geschlossene Shops, Restaurants und Einkaufszentren neu definiert wird. Vielleicht ist das Ganze auch wichtig, dass vieles auf unserer Welt wieder ins Gleichgewicht kommt.

Das schönste was es gibt ist unser Planet und vielleicht gibt uns auch dies mal zu denken, was wir alle mit unserer Welt anrichten! Nämlich jeder einzelne von uns! Es ist eben nichts davon selbstverständlich.

Mir wird durch diese Situation bewusst, wie gut es uns geht und das wir gesund sind.

Wenn man sich die Lage in Italien ansieht, bekomme ich Gänsehaut. Die Menschen tun mir so leid und ich hoffe, dass es bald bergauf gehen wird. Auch wenn es wirtschaftliche Folgen hat, aber wichtig ist es so viele Menschenleben wie möglich zu retten. Berichte über sterbende Menschen, die sich telefonisch von ihrer Familie verabschieden müssen tun uns im Herzen weh.

Corona - unsere Chancen
Corona - Emotionen und Chancen
Corona - Zusammenhalt

Werte unserer Gesellschaft

Traurig finde ich zu sehen, wie oberflächlich vieles geworden ist. Zu wichtig sind materielle Dinge, Macht und Geld geworden. Wer von uns ist jeden Tag dankbar gesund zu sein?Stattdessen trauern wir darum, dass wir uns dieses Jahr nicht zwei Traumurlaube leisten können, weil das böse Virus uns einen Strich durch den Finanzplan machen wird. Doch was passiert, wenn die Angst um das eigene Leben, die Zukunft unserer Familie und das Wohl unserer Freunde in Gefahr ist. Legt sich dann der Schalter um? Verändern wir unser Leben?

Wir haben das für uns schon vor einiger Zeit getan, begonnen über alles in unserem Leben nachzudenken und alles für uns neu zu ordnen. Um mehr für uns zu machen, die Welt zu sehen, Kulturen kennenzulernen und uns von neuen Eindrücken inspirieren zu lassen, waren wir dabei uns von vielem zu trennen und alles auf den Kopf zu stellen. Unser Haus steht gerade zum Verkauf, sind nach Wien in eine kleine Wohnung mit Balkon gezogen, haben uns von vielen „Luxusartikeln“ befreit, kaufen nur noch was unbedingt notwendig ist. Auch erkannten wir in Bali, dass wir an unserer Einstellung arbeiten müssen, da uns dort einiges zu denken gegeben hat.

Weniger ist mehr! Die gewonnene Freiheit und Flexibilität gibt uns neue Möglichkeiten um das System, die Erwartung anderer und dem sozialen Schubladendenken zu entkommen. Doch das wird sich mal für die nächste Zeit so nicht erfüllen lassen. Stillstand ist aktuell normal.

Sind wir traurig? Wütend? Ratlos? Ja vielleicht von allem ein bisschen was, es hat jeder für sich etwas Zeit zum neu sortieren gebraucht. Auch ein schlechter Tag darf da ruhig mal dabei sein. Doch dann haben wir uns zusammengesetzt, viel geredet, uns gegenseitig wieder Mut gemacht und bemerkt, dass eigentlich alles gar nicht so furchtbar ist.

Wir können die neu gewonnene Zeit super nutzen um uns noch klarer darüber zu werden, was „leben“ für uns bedeutet. Wie wollen wir leben? Was sind unsere privaten und beruflichen Ziele? Was macht uns glücklich? Wo gibt uns die Krise Chancen um völlig neu durchzustarten? Und so viele Fragen mehr. Gibt dir das Leben Zitronen, mach Limonade draus.

Da waren wir wieder, voll motiviert, und auf einmal schiessen die Ideen und Pläne nur so aus uns raus. Die Lebensenergie und positive Einstellung ist zurück, statt Fragen haben wir Antworten. Ich denke es hat auch immer alles seinen Grund und wir wollen das jetzt nicht negativ sehen. Ich bin mir sicher, dass es dafür um so schneller gehen wird, wenn all das vorbei ist.

Du nervst!

Da wir in Österreich schon sehr strenge Maßnahmen haben, das heißt so gut es geht zuhause bleiben, haben wir genug Zeit an unseren Plänen zu arbeiten. Bedeutet aber auch 24/7 beieinander zu sein. Ich finde es interessant, wie viele Menschen anscheinend ein Problem haben, den ganzen Tag mit dem Partner, der Partnerin verbringen zu „müssen“. Oder keine Idee haben was sie mit sich und ihrer Zeit anfangen sollen.

Ich hab oft sowas gehört wie: „OH MEIN GOTT: ich werde sicher ständig mit meinem Mann streiten“, „das halte ich nicht aus, was soll ich jetzt machen, ich kann nicht nur zuhause sein“,. Manche werden schon aggressiv oder depressiv. Verfallen in Panik – und es ist erst Tag 4.

Irgendwie schlimm finden wir, und können das gar nicht verstehen. Klar, Freiraum ist wichtig, aber den kann ich mir auch auf engstem Raum zugestehen. In einer Beziehung sollte ich doch eigentlich danach streben alles zu teilen, mich zu ergänzen, und nicht Ausschlag bekommen wenn der oder die andere früher heim kommt oder ich die nächsten Wochen beisammen bin.

Ist das nicht mal eine Situation wo man rausfinden kann, ob man wirklich mit allem so glücklich ist? Warum ist es so schwierig sich mit sich selber auseinander zu setzen? Was würden wir machen, wenn es kein Internet gibt, keine Streaming Dienste, keine total vernetzte Welt?

Fahren wir gerne in die Arbeit, um Zeit für uns zu haben, damit uns niemand nervt?

Folgende Situation soll so oder ähnlich schon mal in Beziehungen vorgekommen sein: wir arbeiten das ganze Jahr hart für 5 Wochen Urlaub, nur um am Strand über unwichtige Dinge zu streiten. Das Abendessen vor einem traumhaften Sonnenuntergang schweigend und innerlich platzend zu verbringen. Wortlos ins Bett gehen, den Urlaub überstehen. Genervt und völlig unentspannt kommen wir daheim an, um am Tag darauf wieder in die Arbeit zu fahren?

Funktioniert so unsere Gesellschaft und das Sinnbild einer glücklichen Beziehung? Was läuft da denn schief?

Arbeit oder Leben?

Natürlich sollten wir in unserem Berufsleben glücklich sein und gerne in die Arbeit fahren, aber wir haben ja auch nur dieses eine Leben und das sollten wir auch nutzen! Ist klar, wir müssen alle arbeiten um uns unser Leben leisten können und unsere Träume zu verwirklichen, aber haben wir echt alle verlernt unser Leben zu genießen oder war uns das bis jetzt nie wirklich möglich? Muss man Angst haben glücklich zu sein, oder zufrieden mit seinem Job, um nicht den Neid anderer zu spüren?

So denken wir doch in Europa. , Mache Matura damit du studieren kannst, geh arbeiten, bau ein Haus, bekomme mindestens zwei Kinder, heirate, bla bla bla – das kann doch gar nicht jeder wollen, weil jeder Mensch anders ist, einzigartig, aber bei vielen die Gesellschaft diese Einzigartigkeit so weit unterdrückt, bis man sich fügt. Schließlich will man ja weder Freunde noch Familie enttäuschen, aber jedem recht machen geht irgendwie auch nicht. Durch das Internet bekommt man heutzutage auch sehr gut mit, was Menschen so machen, das bietet vielen die Plattform ungefragt Kritik oder Zweifel zu verstreuen, auf gut wienerisch: seinen Senf dazugeben. Anstatt das volle Potential aus seinem eigenen Leben auszuschöpfen holt man sich lieber innere Ausgeglichenheit durch das Verunsichern anderer. Emotionen, Angst, Gewalt können die Folge sein.

Es wird durch Corona davon ausgegangen, dass die häusliche Gewalt massiv zunehmen wird, viele ihre Aggressionen daheim auslassen werden. Frust über Jobverlust, Unsicherheit, bevorstehende Schulden zu psychischen Problemen und Depressionen führen werden. Darum bieten Hotlines Hilfe und Unterstützung an, beraten, sind einfach da. Wir hoffen, dass jeder für sich einen guten und gesunden Weg findet damit umzugehen, viel reden, sich gegenseitig aufbauen und zu motivieren. Alles geht vorbei, und auch das werden wir überstehen, wir werden viel daraus lernen – als Partner, als Gesellschaft, als Weltbevölkerung.

Das Glück an meiner Seite

Auch wenn mir das viele nicht glauben werden, aber mir zeigt es wie glücklich ich mit meinem Partner bin. Wir freuen uns sogar, dass wir mal so viel Zeit für uns haben. Ich bin wirklich froh und weiß das sehr zu schätzen, so einen Menschen an meiner Seite zu haben. Einen Menschen mit dem man alles teilen kann, lachen kann, über alles reden kann, Unsinn treiben kann, eine Zukunft planen kann. Ich denke keine Sekunde daran, dass mich mein Partner nervt. Unsere Familien vermissen wir sehr, aber wichtig ist uns jeden zu schützen und das alle gesund sind.

Wir freuen uns wenn wir unsere Liebsten wieder sehen und hoffen, dass alles gut wird.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen viel Gesundheit. Wir erhoffen uns, dass ihr euch diese Art von Fragen stellt und für euch Antworten findet, uns bewusst wird was wirklich wichtig ist im Leben – die Gesundheit unserer Liebsten.

Wir wünschen euch allen das Beste und vor allem Gelassenheit & Gesundheit in diesen Tagen. Wir schaffen das gemeinsam!!!!

xoxo Lisa & Christoph

Tagesaktuelle Informationen und die wichtigsten Telefonnummern findest du auf der ORF Corona Homepage