Venedig – wir haben es wieder getan!

Genau vor zwei Jahren war es mein Geburtstagsgeschenk für Lisa. Wir besuchten Venedig, machten eine Gondelfahrt und überquerten unzählige Brücken.
Letztes Wochenende kamen wir wieder. Spontan gebucht und doch war diesmal fast alles anders.

Fehler, die wir damals machten sollten uns diesmal nicht mehr passieren. In Venedig kann man bei jedem Besuch dazulernen. Die Wahl von Hotel, Parkgarage und Vorbereitung für das notwendigste Gepäck will gut durchdacht sein. Und dann wäre da ja noch etwas. Dieses kleine Virus, das die Welt auf den Kopf stellt. Bilder von Babyelefanten in Venedig schwirren durch meinen Kopf. Wechseln sich aber ganz schnell wieder mit Fakten und Vorkehrungen ab, die man in der Realität beachten sollte.

Situation für Reisen nach Italien

Unser wunderschönes südliches Nachbarland war in Europa jenes, das mit am schwersten von der Pandemie getroffen wurde. Somit ist eine Woche in Flip Flops und mit Kamera* bewaffnet nicht einfach mal so beschlossen. Jeden Tag kontrollierten wir die aktuellen Reisewarnungen, die Seiten des Außenministeriums und die Berichte im Internet. Gleichzeitig wurde es in Kroatien Tag für Tag sensibler, Kontrollen bei der Grenze wurden beschlossen, Quarantänen auferlegt, Gesundheitszeugnisse wurden verpflichtend. Da kommt man schon mal ins Grübeln, ob die Idee auch wirklich gut ist außerhalb von Österreich zu reisen.

So wollten wir unseren Urlaub nicht verbringen, ständig unsicher und in Gedanken über Probleme bei der Heimreise klingt so gar nicht nach Erholung und Sicherheit. Unser Hotel war bis 48 Stunden vor Anreise kostenlos stornierbar, somit waren wir hier auf der sicheren Seite. Doch die Lage blieb gut, die Hygienemaßnahmen in Italien wurden überall als sehr hoch beschrieben. Berichte von Freunden, die gerade in Italien waren verstärkten unsere Zuversicht dann umso mehr. Schließlich die Entscheidung:

Bella Italia – wir kommen.

Plan A war eigentlich 5 Tage in Kärnten am See zu verbringen. Aber mal ganz ehrlich, wo ist es sicherer? In einem von 2-3 Strandbädern, in denen kein Abstand eingehalten wird und je nach Tageszeit eine Maske getragen wird oder nicht, oder auf einem privaten Strandabschnitt eines Hotels am Meer, 5m zwischen den Sonnenliegen und durchgängige Maskenpflicht herrscht?

Wir sind nicht sonderlich ängstlich oder panisch, finden viele Vorkehrungen nicht unbedingt ideal gelöst. Wir halten uns an Regeln, wie das jeder Mensch tun sollte, aber alles mit gesundem Menschenverstand und ohne auf das Leben zu verzichten.

24 Stunden in Venedig – Anreise und Parkgarage

Samstag 8 Uhr – die Fahrt beginnt, knapp 600 km bis zum Ziel. Die Garage San Marco ist für 15 Uhr reserviert. Ebenso sollen wir um 15 Uhr im Hotel sein um den Schlüssel aus dem Safe zu holen.

Ankunft 14:50 Uhr – auf den Punkt. Die Fahrt war entspannt und bei gutem Wetter, kurze Bedenken vor dem Grenzübertritt waren unnötig, schwups waren wir in Italien. Erleichtert hielten wir für eine kurze Kaffeepause beim Autogrill, irgendwie Tradition. Endlich näherten wir uns der Liberty Bridge (Ponte della Libertà) um nach Venedig zu gelangen. Die einzige Straße, die direkt in die Lagunenstadt führt und mit einer Auswahl an Garagen endet.

Letztes Mal war es ein dezenter Griff ins Klo, für die falsche Parkgarage entschieden und 85 € für einen Tag Schmerzensgeld bezahlt. Diesmal die Garage daneben (San Marco Venezia) online reserviert und den Tagestarif für 32 € vorab gebucht.

Wer suchet, der findet – normaler Wahnsinn in Venedig

Ist man nicht in Venedig geboren, kennt man das Problem vermutlich. Einmal falsch abbiegen oder glauben richtig zu gehen – schwerer Fehler. Die unzähligen verwinkelten Wasserwege, Brücken und Sackgassen können schon echt verwirren.

Hätte man heutzutage nicht Google Maps als Rettung, würde es einem sehr schnell wie den vielen schönen bunten Häusern in Venedig gehen – man wäre sehr nah am Wasser gebaut.

Unser Hotel, besser gesagt Tourist House, war typisch venezianisch, mit langen gewebten Stoffvorhängen, hohem Doppelbett mit Überdecke, verzierte Holzmöbel und traditionelle Fensterläden aus Holz. Klein, aber fein mit allem was man benötigt. Und für eine Lage neben der berühmten Rialto Brücke mit knapp 80€ preislich sehr ok.

Den Zutrittscode für Haupteingang und die kleine Box um zu unserem Zimmerschlüssel zu gelangen erhielten wir vorab per Mail, somit kamen wir kontaktlos in unser Zimmer, bezahlt haben wir online.

Das hätten wir so nicht erwartet!

Ob man Venedig bereits selbst besucht hat oder nur erzählt bekommen hat. Vermutlich hat jeder eine Vorstellung, wie es in den kleinen Gassen bei Traumwetter im Sommer zugehen kann. Wurden wir vor zwei Jahren noch regelrecht durch die engen Wege geschoben, konnten wir diesmal in aller Ruhe durch diese wunderschöne Stadt spazieren. Selbst an den berühmten Touristenorten begegnete man nur vereinzelt kleinen Gruppen an Menschen, die Brücken und Nebengassen waren komplett leer, Gondelfahrten wurden zu Schleuderpreisen ausgerufen.

Man merkt sehr schnell, die letzten Monate haben hier einiges verändert. Ob es die fehlenden Kreuzfahrtschiffe im Hafen sind, der leere Canal Grande, keine Wartezeiten bei Restaurants und Eisdielen, die Stille selbst in größeren Gassen oder die merkbar besser gewordenen Wasserqualität, die selbst wieder Fische in die Kanäle lockt. Venedig – so hat man dich bestimmt schon lange nicht gesehen.

Wir verarbeiten die ersten Eindrücke, machen eine kurze Pause und beobachten das schüchterne Treiben. Es hat auch auf uns und wie wir die Stadt wahrnehmen eine Auswirkung. Kleine Details an den Häusern, Türen, Fensterbänke. Eine unglaubliche Vielzahl an süßen Gärten und Terrassen, die Einheimische oft versteckt im Innenhof oder der Hausrückseite pflegen.

Die Entscheidung trotz Corona herzufahren könnte sich nicht richtiger anfühlen als in diesen Momenten. Vielleicht finden es manche nicht gut jetzt zu verreisen, oder gar gefährlich und unverantwortlich. Jede Meinung ist hier absolut in Ordnung, jedoch denken wir, dass jede/r selbst entscheiden muss was richtig und falsch ist. Eigenverantwortung übernehmen, anderen respektvoll zu begegnen und sich und andere zu schützen sollte im eigenen Land ebenso gelten wie in fremden Ländern. Es macht also keinen Unterschied, wo wir uns befinden – den Unterschied macht der Mensch mit seinem Verhalten.

Bilder von feiernden Menschenansammlungen in Wien, Kroatien oder Demos mit bis zu einer Million Menschen in Deutschland stimmen uns da eher nachdenklich.

Unser Leben besteht aus Entdeckungen, Erfahrungen und dem Kennenlernen anderer Länder und Kulturen. Das verbindet uns, lässt uns wachsen und das lieben wir einfach. Nichts macht uns so glücklich und zufrieden wie das Reisen.

Wie erkundet man Venedig am besten?

Natürlich könnte ich euch jetzt die 10 besten und geilsten Sehenswürdigkeiten für Touristen aufzählen und die Top 5 Restaurants, Eissorten und Gondelfahrer.
Aber erstens haben wir das schon in unserem Venedig Blogartikel getan, und zweitens hat sich die Wahrnehmung für uns etwas geändert.

Venedig ist am schönsten, wenn man es erlebt.

Markusplatz, Canal Grande, Rialto Brücke,… super mal gesehen zu haben, gar keine Frage. Diese Bauwerke und die unzähligen Kirchen, Museen und Brücken gehören einfach zur Stadt dazu, prägen das Ortsbild und die Geschichte. Die gute Nachricht: ihr lauft dort automatisch irgendwann vorbei, verpassen ist unmöglich.

Beginnt man seinen Weg durch Venedig etwa beim Bahnhof würden wir dir folgenden Tipp geben. Zuerst immer den Schildern Richtung Rialto Brücke folgen, dann an San Marco (Markusplatz) orientieren, Accademia und um wieder zurückzufinden Richtung Piazzale Roma. Die Schilder befinden sich bei vielen Hausecken mit Richtungspfeilen etwa auf 2m Höhe in gelber Farbe.

Nun hast du einen perfekten Rundweg, der in gut einer Stunde bewältigt werden kann. Pausen und Sightseeing nicht eingeschlossen.
Venedig erlebt man aber dazwischen, indem man sich viel Zeit nimmt, beobachtet, nach oben blickt. Die Fassaden der Häuser, Wasserstandsmarkierungen an Hausmauern oder vom Salzwasser weggerostete Türen erzählen so viel vom Leben in der Lagunenstadt.

Ihr kennt Berufe wie Postzustellung, Müllabfuhr, Lebensmittel- und Getränkezusteller, Taxifahrer und Hotelangestellte in euren Heimatorten? Dann versucht rauszufinden, wo die Unterschiede in diesen Jobs in Venedig liegen. Welche Rollen Brücken, Treppen und der Verzicht auf Autostraßen spielen.

Beobachtet das Leben der Einheimischen, lest euch Schilder und Plakate durch. Vergleicht den Charme der verschiedensten Fassaden und Brücken. Blickt auf das Wasser. Riecht das Salz in der Luft.

Wenige Orte in Venedig zu geniessen wird dir die Stadt näher bringen, als von einem Touristenpunkt zum nächsten zu hetzen. Habe keine Angst etwas zu verpassen oder nicht zu sehen. Beinahe jede Ecke in Venedig ist sehenswert und einzigartig, wenn du sie wahrnimmst und auf dich wirken lässt.

Abendgestaltung und Preise in Venedig

Wer an Venedig denkt, denkt an teuer. Das ist nicht immer richtig, vor allem hat man immer die Wahl.
Du möchtest Cappuccino am Canal Grande trinken, abends am Markusplatz Pizza essen und mit Wein und Bier anstossen, danach auf einen Cocktail oder zwei? Kannst du machen, aber dann bist du um einen dreistelligen Betrag ärmer.

Günstiger, und oft auch besser sowie traditioneller geht es in den vielen kleinen Restaurants und Bars abseits der Touristenattraktionen.  Einfach mal links oder rechts abbiegen an den Hauptrouten und ihr könnt sie nicht verpassen. Ebenso bekommt man in Venedig köstlichen Kaffee ab 1,50€. Bäckereien und kleine Cafés verlangen absolut faire Preise – italienisches Lebensgefühl inklusive.

Biertrinker sollten vorsichtig sein. Hier ist ein großes Bier fast immer 1 Liter, ein mittleres 0,4 l und ein kleines 0,2/0,33 l. Also besser nachfragen, bevor man die Überraschung serviert bekommt .

Bei Dunkelheit wirkt die Stadt gleich wieder ganz anders. Die Lichter schimmern im Wasser, die Gondeln schaukeln am Steg hin und her, oft begleitet Musik das Geschehen in den Straßen.

Besonders lieben wir die kleinen Plätze inmitten der vielen Gassen. Kopfsteinpflaster, Statuen oder kleine Brunnen im Zentrum und am Rand ein paar kleine Lokale mit Tischen. Den Tag in venezianischer Atmosphäre ausklingen lassen, das Erlebte Revue passieren lassen. In einem Lokal wurde sogar ein Film über Venedig aus den 50er oder 60er Jahren mit einem Beamer an die Hausmauer projiziert, uriger geht gar nicht mehr.

Venezia – wir sehen uns wieder

Am nächsten Morgen war der erste Halt die Bäckerei nebenan. Ohne Kaffee und Croissant geht eben nichts.
Wir hatten noch ein paar Besorgungen zu erledigen, Kleinigkeiten und Andenken für Freunde und Familie.

Ein kleiner Tick von uns ist es, überall wo wir hinreisen einen Magneten zu kaufen, der uns immer daran erinnert. Außerdem kaufen wir uns Armbänder im jeweiligen Land, die wir tragen bis sie abfallen. Jeder hat so seine Gewohnheiten, hast du auch Rituale beim Reisen? Schreib es uns gerne als Kommentar, wir sind gespannt.

Noch schnell alle Sachen gepackt, im Hotel ausgecheckt und fieberfrei auf die weitere Reise entlassen. Kurze Zeit später saßen wir bereits wieder im Auto Richtung Meer, eine Woche Lignano und Erholung pur am Strand warteten auf uns. Zum Glück wartete auch das Auto auf uns, denn in vielen Garagen Venedigs muss man das Fahrzeug samt Schlüssel unversperrt zurücklassen , falls man in den engen Parkhäusern eines umstellen muss.

Muss man sich erst einmal daran gewöhnen, aber es wird super bewacht und daher passiert auch nichts. Der Gedanke bleibt aber komisch.

Wir brauchen Vitamin Sea

Füße in den Sand, das Meeresrauschen und alles was dazugehört, wir sind süchtig danach und es fühlte sich so gut an.

Lignano zeigte sich ebenso diszipliniert wie Venedig. Maskenpflicht beim Betreten von Shops, Hotels, Restaurants und allen anderen Gebäuden. Im Freien ist auch dann eine Maske zu tragen, wenn der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann, Strafen zwischen 400 und 1.000 € drohen. An jedem Eingang findet ihr Desinfektionsmittel, ebenso bei den WC-Anlagen am Strand.

Untertags war es am Meer sehr ruhig, viele Liegen blieben leer. Die typischen Strandverkäufer traf man nur sehr selten an. Erst am 4. Tag sahen wir das legendäre Vitaminaaaa, Cocobellooooo Männchen mit seinen Kokosnuss Stückchen den Strand auf und ab laufen.

Abends wurde es von Tag zu Tag etwas mehr, aber alles im Rahmen, anscheinend kamen noch viele Italiener zum Ferienende spontan ans Meer.

Bei der Heimfahrt wurde uns kurz etwas mulmig, da entgegen allen Berichten und Reiseinformationen doch Grenzkontrollen durchgeführt werden. Nach etwa 4km Stau vorm Übergang Arnoldstein wurden alle von der Autobahn abgeleitet und mussten am Kontrollpunkt vorbei.

Wie wir nachträglich im Internet nachlesen konnten, wurden hier auch stichprobenartig Gesundheitstests verlangt und vereinzelt Quarantäne verhängt. Wir konnten problemlos passieren und kamen in den Abendstunden gut und sicher zuhause an.

Die Liebe zu Italien wird uns wohl immer begleiten und wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen.

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